Foto: Ute Haupts

 

Suk: Der digge Reader

Gestern im Pausenraum über die BILD-Zeitung gestolpert. Gab unter anderem die Schlagzeile “Erwachsener hüpft Kind aus Hüpfburg” (kein Scherz) … Dachte nur “Typisch … Springer-Verlag”

Blattgold.

Ich glaubte lange Zeit, dass das erste Lebewesen nach dem Urknall die Taube gewesen sei …

Glaube.

Irgendwie war Lemmy immer Kumpel. Dieses Kieselstein-gurgelnde Wesen mit den Augen eines Hundes und den Erbsen-großen Warzen im Gesicht war mein unausgelebter Rock’n Roll. Ich habe es nie krachen lassen, aber tief in meinem Herzen gab es einen Proberaum, in dem Bands wie diese auf Lebenszeit umsonst spielen durften. An meiner Zimmerwand hing eine “Orgasmatron”-Fahne und meine Mutter hat mir einen “Iron Fist”-Patch auf meine Jeansjacke genäht. Ja, ein bisschen peinlich, aber Lemmy hätte sicher drüber gelacht. Wir hätten darauf angestoßen; ich mit einer Topstar-Cola, er mit einem Whiskey. Vielleicht hätte er mir auch auch einfach nur in den Arsch getreten. Die Motörhead-Scheiben polterten selbst beim Hausaufgaben-machen auf meinem Plattenteller.
“Wie kann man bei dem Krach nur lernen?”, fragte meine Mutter oft. Dabei hat Lemmys Band überhaupt erst Platz geschaffen für neues Wissen … Einmal mit der Kettensäge durch und gut. Sie waren die beste Gegenfrequenz, Ausradierer billigen Liebeskummers, und, ja, sie hatten verdammt noch mal geniale “Melodien”.
Dieses Kopf in den Nacken legen und von unten ins Mikro bellen, diese weißen Stiefel, die bei jedem anderen einfach nur lächerlich ausgesehen hätten, aber ihn weiterhin ne coole Sau blieben ließen, dieses dreckige Lachen und seine derben Witzchen bei Interviews (“George Bush würde ich noch nicht mal ins Maul pissen, wenn seine Zähne brennen”) … ach, herrlich. Ich wollte immer mal auf ein Konzert, habe dann aber doch immer gekniffen, weil ich ein bissl Angst hatte, zertrampelt zu werden oder den Rest meines Lebens mit verbrannten Ohren zu verbringen. Nun ja … Jetzt ist er wech. Vermiss ihn schon sehr. Werd mir noch einige Platten nachkaufen. Nicht aus Totenkult … sondern ich habe noch mal das Türchen aufgehen hören, im alten Proberaum, tief in meinem Herzen.

Lemmy Sleep

Das Leben steckt voller Gefahren. Wie schnell hat man beim Rolltreppe fegen ein Bein verloren oder kommt in den Frauenknast, weil man vergessen hat die Spülmaschine vernünftig einzuräumen? Ja, klingt alles absurd, aber seid gewarnt. Eben noch, entdeckte ich in meinem Moorbad eine Hummerschere. Man muss mit allem rechnen, immer und überall…

It’s a hard world

Letzte Nacht hatte ich einen schönen Traum von der Sintflut. Ernsthaft. Und wenn beim Weltuntergang mein Herz wirklich bis zum Hals schlagen sollte, kann ich ihn kaum abwarten.
Wir standen mit vielen Menschen an einer steilen Straße meiner alten Heimatstadt. Wussten alle, dass die große Welle kommen würde, und waren dennoch in Partystimmung. Du trugst deine Haare nach hinten gebunden und eine Jeanslatzhose; warst voller Leben und doch bereit zu gehen.
Auf der Straße lagen ein halbes Gummikrokodil, ein roter Ball und einige Autoreifen. Aus irgendeinem Grund waren sie dort platziert worden … Ja, sie sollten wohl mitgerissen werden. Wir hielten uns an den Händen und hörten schon Minuten vorher das Rauschen aus der Ferne. Dann rief einer „Da!“ und die Welle kam … Gewaltig. Atemberaubend schön.
Wir rannten los. Die Straße runter; du links in einen Rosengarten, den ich irgendwie noch in Erinnerung hatte. Nur im Traum war er viel größer. Ich rannte dir hinter her. Wasser schoss mir in die Hüfte. Ich sah dich vor mir stürzen und fiel kurz darauf selber hin. Ich schrie dir „Ich liebe dich!“ hinterher. Dann schlug mir das Wasser ins Gesicht. Das Rauschen wurde immer lauter, aber dein „Ich liebe dich auch!“ hörte ich noch. Jetzt war alles gut. Wasser drang in meine Lunge. Dunkelheit … Aufwachen.

Nach dir …

Also manche Dialoge …

H:” … und am Ende war er der Schrottdieb”
R:”Heißt nicht auch ein Porno aus den 70ern so?”
H:”Wie?”
R:”Schrottdieb. War doch damals mega-erfolgreich …”
H:”Ach, du meinst sicherlich Deep Throat …”
R:”Stimmt. Ich vertue mich da immer …”

Schrottdiebe

Letztens saßen Brian Eno und Marie-Luise Marjan im Domkeller. Händchenhaltend. Irre. Fiel mir aber erst auf, als ich mich zum Schuhe-binden bückte. „Oh, hatte ich gar nicht bemerkt, dass meine Schuhe aufgegangen waren. Danke.“ sagte Brian. Marie-Luise strahlte über das ganze Gesicht. Wie immer halt. Sie schaute rüber zu Brian und sagte „Was für ein hilfsbereiter junger Mann. Würde sich gut als Jesus-Figur in unserem Entspannungsraum machen, nicht wahr?“ Mir lief es eiskalt den Rücken runter. Hatte sie das gerade wirklich gesagt? Sicher hatte ich mich verhört. Ich lächelte verlegen, machte einen kleinen Knicks und ging zurück an meinen Tisch. Den ganzen Abend über fühlte ich mich von den Beiden beobachtet. Einmal glaubte ich sogar gesehen zu haben, wie Marie-Luise mit dem Zeigefinger zuerst auf ihre Handinnenfläche und dann auf einen ihrer Füße zeigte. Als sie mich bemerkte, machte sie einen ganz graden Mund. Eno kritzelte immer wieder etwas auf seinen Bierdeckel. Nickte ihr fast nach jedem Satz zustimmend zu. „Die sind wahnsinnig die Beiden.“ dachte ich. „Die hätten sich nie kennen lernen dürfen.“ Ich bezahlte wenig später und lief wie ein Irrer nach Hause. Verdammt, war das unheimlich. In der Nacht träumte ich, ich wäre ein Kutschenrad. Ob da ein Zusammenhang besteht? Keine Ahnung …

Wenn ich die Jalousien hochziehe, sehe ich schon seine Kniescheiben, seine Shorts, seinen Bauch wippend vor meinem Fenster. Doch bevor er mir sein vernarbtes Gesicht schenkt, geht er weg. Will sicherlich nicht zu aufdringlich sein, der Herr. Hat bestimmt wieder die ganze Nacht mein Haus bewacht. Aufgepasst, dass kein böser Mensch seinen Dackel an den Briefschlitz hält und ihn rein scheißen lässt; was bisher auch nur ihm passiert ist.
Vielleicht, weil er es ihm vorgemacht hat.
Ich kenne ihn nur unter -der Nachbar-, diesen König der ungefragten Ratschläge, diesen -Pass upp du!-.
Nun, ich würde ihn nicht als total verrückt beschreiben, nein, eher als wahnsinnig. Schleichend wahnsinnig, versteht sich. Seine Weltanschauung findet man in jedem siebten Ei. Seine Gegenwart ist ein ruheloser Tango mit der Vergangenheit. Einmal im Monat tanzt er in Unterwäsche im Fenster vor seiner öligen Musikanlage. Lieder von Heintje, Mouskouri, Freddy Quinn singt, nein, weint er mit. Denn sie beißen in sein Herz, diese Texte über Mütter und Omas. Im Winter trägt er deren Pelzmäntel auf, läuft durch die Straßen mit dem Blick eines Marders, eines Massenmarders.
Die Musik, orgiastisch laut, teilt er mit der ganzen Straße. Nachts, wenn Dracula erwacht. Ruft jemand „Weißt du wie spät es ist?!“, antwortet er mit „Du dumme Sau, ich komm gleich rüber!“
Ja, so sind sie, die neuen Missionare. Dummen Säuen hilft man immer. Egal wie spät es ist. Er ist kein schlechter Mensch, aber in seiner Brust liegt eine feucht gewordene Dynamitstange.
Ich glaube, ich brauche ihn nicht. Aber, wissen tue ich es nicht…

Count the Neighbour

Poh! 3D-Drucker sind mittlerweile so weit, dass sie sogar schon funktionstüchtige Maschinengewehre und essbare Schokolade drucken können!
Aber, was heißt das?! Werden zukünftig vermehrt dicke Kinder erschossen? Was für ein Fortschritt!
Nein – Nicht das Dicke-Kinder-Erschießen… sondern welche Möglichkeiten mit diesen 3D-Druckern geboren werden…
McDonald’s schickt uns bald den McRib per mail. Wow! Wie fett ist das denn?!
„e-McDonald’s druckt ‘ne Farm…”
Natürlich muss man auch aufpassen, nicht zu viel Spam auszudrucken. Sonst hat man schnell 5 Nutten und 3 Eimer Viagra im Wohnzimmer stehen…
Gut, in manchen Haushalten Standard… aber ich denke ja an den Durchschnittsmenschen… wie den Metzger und den Chirurgen…

Jedenfalls… unglaubliche Möglichkeiten…
Kerl, ist der Fortschritt weit.
Mir fällt vor Vorfreude der Beißring aus dem Maul.

DDD

Ich war ja mal Gebäudereiniger im Phantasialand. Ein Stellenangebot, das ich mir nicht durch die Lappen gehen lassen wollte; allein schon, um es später in meine Vita aufnehmen zu können. Der Job war jedenfalls die Hölle. Dieses Gekreische und diese Endlos-Jingles machten einen schon wahnsinnig. Interessant war, wo man überall Kotze fand; an den unmöglichsten Stellen, sage ich euch. Aber ich will das Thema jetzt hier nicht breittreten. Schlimmer traf es jedoch einen Kollegen. Der war Raumpfleger in der Silbermine. Die wird ja so gut wie nie ausgeschaltet. Und so musste er staubsaugen zwischen auf Schweinen reitenden Mexikanern und rumballernden Bankräubern. Irgendwann ist ihm dann wirklich die Sicherung durchgebrannt, und er hat sämtliche Figuren grün angemalt. Erwischt haben sie ihn ausgerechnet, als er die mechanischen Bardamen durchvögelte. Er wurde gefeuert. Kündigungsgrund: Sex am Arbeitsplatz. Ich habe kurz darauf auch das Handtuch geworfen. Mir ist im Schiefen Haus dauernd der Putzeimer an die Zimmerdecke gefallen.
Also es gibt Jobs, sage ich euch…